Das Hamburger Modell

BEM Verfahren

Das Hamburger Modell

„Hamburger Modell“ hat bestimmt schon jeder einmal gehört. Im Betrieb oder Bekanntenkreis?

Eigentlich ist das nur die umgangssprachliche Bezeichnung für das “ betriebliche Eingliederungsmanagement“, kurz BEM. Dies ist im Grunde gesetzlich geregelt. Doch natürlich gibt es bei den Betrieben, sowie auch bei den Behörden (Stadt, Land oder Bund) Unterschiede in den Feinheiten. Diese werden innerbetrieblich mit einem Gremium aus mehreren Beteiligten beschlossen für den jeweiligen Betrieb. In diesem Gremium sitzen bei uns zum Beispiel: Die Amtsärztin, der Betriebs- oder Personalrat, die Behindertenbeauftragten, der Abteilungsleiter oder Spartenleiter, die Personalführung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

EInfach-teilhaben.de“ erklärt das Hamburger Modell so:

Ziel der stufenweisen Wiedereingliederung ist es, Beschäftigte unter ärztlicher Aufsicht wieder an die volle Arbeitsbelastung zu gewöhnen. Die stufenweise Wiedereingliederung ist auch unter dem Begriff „Hamburger Modell“ bekannt.

Hier noch eine genauere Definition:

Die stufenweise Wiedereingliederung, oft auch „Hamburger Modell“ genannt, soll arbeitsunfähigen Beschäftigten ermöglichen, sich schrittweise wieder an die bisherige Arbeitsbelastung zu gewöhnen. Sie wird vom Arzt in Abstimmung mit Patient und Arbeitgeber verordnet und soll nach längerer Krankheit den Wiedereinstieg in den alten Beruf erleichtern.

Die stufenweise Wiedereingliederung ist eine Maßnahme der medizinischen Rehabilitation.

Grundsätzlich haben alle Beschäftigten nach längerer Krankheit Anspruch auf eine stufenweise Wiedereingliederung durch die Kranken- oder Rentenversicherung, Medizinische Voraussetzung für die eine stufenweise Wiedereingliederung ist eine ausreichende Belastbarkeit und die Prognose, dass die stufenweise Eingliederung wieder zur Herstellung der Arbeitsfähigkeit am alten Arbeitsplatz führen wird. Arbeitgeber sind in der Regel verpflichtet, Ihnen nach längerer Erkrankung die Rückkehr an den Arbeitsplatz im Wege einer ärztlich empfohlenen Stufenweisen Wiedereingliederung zu ermöglichen. Das gilt vor allem dann, wenn die stufenweise Wiedereingliederung im Rahmen eines BEM-Verfahrens als Maßnahme festgelegt wurde.

Wird vom Arbeitgeber oder vom Arzt eine stufenweise Wiedereingliederung vorgeschlagen, können die Beschäftigten selbst entscheiden, ob sie das Angebot annehmen.

Aha:  Dieses Programm ist also gestzlich geregelt. Das heißt also, der Arbeitgeber kann mir nach längerer Krankheit nicht einfach den Stuhl vor die Tür stellen. Er muss dem Gesetz nach mir die Chance geben, meinen alten Arbeitsplatz wieder einzunehmen. Das ist ja schonmal eine Aussage!

Natürlich gibt es noch spezielle Fälle für die separate Regelungen getroffen wurden. Die hier alle aufzuführen wäre unmöglich. Solltest du weitergehende Infomationen benötigen, besuche die Seite „einfach-teilhaben.de„.

 

Kommen wir zum Finanziellen

geld

Die finanzielle Seite ist natürlich auch von Belang: Generell ist es so, das du während der beruflichen Wiedereingliederung weiter krank geschrieben bist. Das heißt du  gehst zwar nach deinem persönlichen Modell zur Arbeit, bist aber offiziell krank. Bedeutet ganz klar: du erhälst keinen Lohn vom Arbeitgeber, sondern beziehst weiter dein Krankengeld. Erst wenn du wieder im Job bist und das Hamburger Modell beendet ist, bekommst du wieder Lohn vom Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann sich allerdings bereit erklären, dir einen Zuschuss für die Zeit zum Krankengeld hinzu zu geben, aber wer macht das schon?

„einfach-teilhaben.de“  erklärt es folgendermaßen:

Beschäftigte beziehen während der stufenweisen Wiedereingliederung Krankengeld oder Übergangsgeld. Sie gelten auch in dieser Zeit als arbeitsunfähig.

1. Die Gesetzliche Krankenversicherung zahlt während der stufenweisen Wiedereingliederung Krankengeld in voller Höhe. Es gelten dieselben Voraussetzungen, die auch für Zahlung von Krankengeld für Arbeitsunfähigkeit gelten.

2. Die Gesetzliche Rentenversicherung zahlt bis zum Ende der stufenweisen Wiedereingliederung Übergangsgeld weiter, wenn
a) die stufenweise Wiedereingliederung innerhalb von vier Wochen nach dem Ende der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation der Gesetzlichen Rentenversicherung beginnt ( vgl. § 15 SGB VI in Verbindung mit §§ 28, 51 SGB IX) und
b) die Notwendigkeit der stufenweisen Wiedereingliederung bis zum Ende der von der gesetzlichen Rentenversicherung finanzierten Leistungen zur medizinische Rehabilitation in der Rehabilitationseinrichtung festgestellt und die Wiedereingliederung von dieser eingeleitet wurde. 

Wird von der Rehabilitationseinrichtung eine stufenweise Wiedereingliederung zu Lasten der Rentenversicherung nicht eingeleitet, kann die zuständige Krankenkasse innerhalb von 14 Tagen nach Beendigung der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation die Einleitung einer stufenweisen Wiedereingliederung beim zuständigen Träger der Rentenversicherung anregen. Voraussetzung hierfür ist, dass die veränderten individuellen Verhältnisse nach der Entlassung aus der Rehabilitationseinrichtung für die Einleitung der stufenweisen Wiedereingliederung sprechen und diese innerhalb von vier Wochen nach dem Ende der Leistungen zur medizinischen Rehabilitationbeginnen kann.

Bei Fragen sprichst du am besten mit deiner behandelnden Arztin oder deinem Arzt und auf jeden Fall mit deiner Krankenkasse! Die kennen sich damit aus und erklären dir alles ganz genau.

Dein Part bei der Geschichte

Dein Part bei der Geschichte ist es hauptsächlich, mit deinem Arzt das Hamburger Modell auszuarbeiten. Du legst mit ihm die Tage und Stunden fest, die du für dich als richtig findest zur Wiedereingliederung. Dies solltest du dir genauestens überlegen, auch über wieviele Wochen du das Hamburger Modell für dich anwenden willst. Dein Arzt wird dir beratend zur Seite stehen.

Ist dies geschafft, dann marschierst du damit am besten zu deinem Vorgesetzten und zeigst ihm dein „Angebot“. Er wird es kopfnickend annehmen, will er dich doch zurück auf der Arbeit haben.

Als nächstes musst du deiner Krankenkasse das Angebot zeigen. Auch die wird einverstanden sein, will sie doch schnellstmöglich, das du kein Krankengeld mehr erhälst.

Soweit wäre dann alles erst einmal geregelt. Im Hamburger Modell ist ja auch geregelt, wann du wieder anfängst. Solange kannst du jetzt noch versuchen Kraft zu sammeln und dich mental darauf vorbereiten.  Ich wünsche gutes Gelingen!

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