Depressive Episode und das BEM

Depressive Episode, so wurde mir das von meiner Ärztin erklärt ist wohl nicht ganz so schlimm wie eine ausgeprägte Depression. Obwohl es hier auch diverse Stufen geht, die den Grad der Schwere wiederspiegeln.

depressive episode
Depressive Episode

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Hierzu eine kurze Erklärung:

Depressive Episode ist die wissenschaftlich verbindliche Bezeichnung (ICD-10, Kapitel V) für das Krankheitsbild Depression. Sie umfasst bzw. ersetzt die bis 1991 üblichen Diagnosen endogene Depression und neurotische Depression. Eine ursächliche Kennzeichnung der depressiven Erkrankung wird damit aufgegeben, um Ermessens-Spielräume zwischen den Polen endogen und neurotisch auszublenden. Die Diagnose depressive Episode bezieht sich ausschließlich auf die objektivierbaren Symptome.

Schweregrade der depressiven Episode siehe Depression, Abschnitt Diagnose.

Hierbei finde ich die Klassifizierung nach ICD-10 interessant. Das ist auch ohne weiteres für Laien sofort verständlich wie ich finde. Über den Link kommen Sie an die ICD-10 Aufschlüsselung. Bei mir ist es die F32.1G. Mittelgradige Episode. Naja, vielleicht doch noch nicht alles verloren? Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber schön ist die mittelgradige auch schon nicht, ich möchte mir nicht ausmalen, wie man sich bei einer schweren Episode fühlt.

Depressive Episode und das anschließende BEM,

das berufliche Eingliederungsmanagement

BEM Verfahren

Wenn man wie ich im Arbeitsleben steht, folgt durch die depressive Episode, die ja einen Krankheitszeitraum von Monaten hat, zwangsläufig nach über 6 Wochen die Auseinandersetzung mit dem Thema berufliches Eingliederungsmanagement.

Ich bin, und das kann ich nur jedem ans Herz legen, von mir aus zum Personalrat gegangen. Ich hatte noch keine Ahnung von dem BEM, aber im Gespräch mit dem Personalrat kam das Thema natürlich auf den Tisch. Der sagte mir klipp und klar, das ich ein Kandidat dafür wäre und auf jeden Fall von mir aus den ersten Schritt in diese Richtung unternehmen sollte.

Ok, dachte ich, dann machen wir das. Erst danach fragte ich, was das überhaupt sei. Ich versuche das einmal für Laien, die wir alle sind, zu erklären. Ich erinnere mich nicht an alle Einzelheiten, aber im Prinzip läuft das so:

Du gehst ins Personalbüro und sagst, du möchtest dich gern für das BEM Verfahren anmelden. Daraufhin wird das in deine Personalakte aufgenommen. An dieser Stelle wäre es sehr von Vorteil, wenn du gleich darauf, so wie ich, mit deinem Abteilungsleiter sprichst. Erzähle ihm, das du dich für das BEM Verfahren angemeldet hast, damit der schon einmal informiert ist. Das kommt immer gut an. Und erfahren wird er es sowieso, und dann ist es besser, wenn er es von dir persönlich hört. In dem Gespräch kannst du ihm dann gleich noch mitteilen, wie es zu deiner Krankheit kam und wie es dir geht. Er sieht dann, das bei dir Handlungsbedarf besteht, und kann sich schon mal so seine Gedanken machen. In meinem konkreten Fall habe ich ihm dann auch reinen Wein eingeschenkt, das ich Alkoholiker bin, seit 20 Jahren trocken. Nebenbei: wenn du das dann der Betriebsärztin auch noch erzählst, erfährt er es hintenrum sowieso! Danach folgt ein Gespräch mit der Betriebsärztin, um die Umstände deiner Krankheit zu beleuchten. Danach tagt ein Gremium, was der Bornemann für ein Problem hat und wie oder ob man ihm helfen kann. Die Ärztin ist da dabei. Dann knobeln sie was aus und lassen es dich wissen.

Ich bin also tapfer nach dem Anmelden für´s BEM zum Abteilungsleiter mit schlotternden Knien. Zu meiner Überraschung stieß ich bei ihm offensichtlich- ich kann das nur subjektiv beurteilen- auf offene Ohren. Die Unterhaltung mit ihm tat jedenfalls gut. Er gab mir zu verstehen, dass er es gut fand, dass ich direkt zu ihm gekommen bin. Ein Pluspunkt, denke ich. Meiner Psyche ging es nach dem Gespräch auf jeden Fall besser.

Es folgte eine erneute Zeit des Wartens, bis die Einladung zum BEM Termin mit der Betriebsärztin kam.

Dieser Tag war heute: Die Nacht davor, kannst du dir sicherlich denken, war an Schlaf nicht zu denken. Ich hatte mich zwar tags zuvor intensiv darauf vorbereitet, doch trotzdem stieg die Nervosität dermaßen an, das ich nachts einfach keine Ruhe fand. Ich kann nur jedem empfehlen: bereite dich vor, schreib einen Text, den du im Zweifel bei der Ärztin vorlesen kannst. Ich tat es auch so. Denn man ist nervös und wenn man Pech hat, vergisst man was man eigentlich sagen wollte. Und schließlich geht es um deinen Arsch, und da musst du dich halt vorbereiten.

Ich schrieb also einen 3 DIn A4 Seiten langen Text, den ich ihr präsentieren wollte.

Der Morgen kam und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Hätte gern ein Loch in die Erde gebuddelt, mich selbst dareingepackt und Loch wieder zu. Vogel Strauß sozusagen.

Nervös trank ich meinen Kaffee, grübelte, wie das wohl wird. Die Uhr tickte unaufhaltsam. Mein Puls schlug schneller als die Uhr tickte. Boah wie scheiße kann sich denn noch fühlen? Es war grausam. Nützte aber nichts. Ich musste los. Also fuhr ich Richtung Firma, mit ansteigendem Magengrummeln.  Ich setzte mich bei der Ärztin vor die Tür und wartete nervös auf Einlaß.

Dann war es soweit. Wir setzten uns und sie sagte: „Was kann ich für Sie tun, Herr Bornemann?“

Bornemann, Dein Einsatz, leg los!

Ich holte meine Zettel raus. Ich verlas die Anklage, ne Quatsch, falscher Film! ich verlas meine Problematik, die sich gesundheitlich aufgetan hatte.

Die Ärztin tippte so schnell sie konnte alles mit. An für mich arbeitstechnisch verbesserungswürdigen Punkten gab sie mir Recht, was schon mal unglaublich gut tat.

Den ein oder anderen Punkt hinterfragte sie, ich stotterte ihr die Antworten dazu entgegen. Insgesamt eine Stunde lang unterhielten wir uns. Sie gab mir dann zwei Lösungen zur Auswahl, über die ich nachdenken sollte, um mich zu entscheiden:

Arbeitsaufnahme nach Hamburger Modell, im Vorwege würde sie eine Stellungnahme schreiben, die in einem Gremium aus Schwerbehindertenbeauftragtem, Personalvertreter, Personalführung, Abteilungsleiter und Ärztin besteht. Dies Stellungnahme würde dann unter den Beteiligten diskutiert, ob und wie Arbeitsverbesserungen für mich da wären und wie die aussehen.

Oder aber ich würde im Anschluß gleich eine Reha Maßnahme anfügen, Dauer ca. 3 Wochen, was aber für mich eher unpraktisch ist, will ich doch zurück ins Arbeitsleben nur halt mit verbesserten Umständen. Ich brauche ein Lösung, keine Reha! Ich entschied mich für den ersten Vorschlag, zumal die Reha nur aufgeschoben ist und nicht aufgehoben!

Meine Ärztin sagte mir ungefähr, was sie in die Stellungnahme schreiben wird. Ich war mit den groben Zügen einverstanden und zufrieden.

Erleichtert ging ich nach dem Gespräch aus ihrem Büro und fragte mich, warum ich mir wohl die letzte Nacht soviel Sorgen gemacht hatte? Eigentlich war es ja positiv verlaufen.

 

BEM das berufliche Eingliederungsmanagement

Das BEM wird auf Wikipedia sehr gut und ausführlich erklärt. Dennoch erwähne ich hier ein paar grundlegende Punkte, also die wichtigen jedenfalls.

BEM ist Gesetz! Das heißt, dein Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dir das anzubieten, bzw. das mit dir durchzuführen.

BEM ist gut für dich! Warum? Ganz klar: der Betrieb bis hin zum obersten Chef wissen ab dann, das du ein ernstzunehmendes Problem an deinem Arbeitsplatz hast. Und sie müssen darauf eingehen. Vorbei die Zeit der „Mir Egal“ Einstellung der Vorgesetzten soweit es um dich geht!

BEM schützt dich! Wieso? Bist du im BEM, kann dich der Arbeitgeber nur sehr schwer bis gar nicht kündigen!!

Ich bin der Meinung, das jeder es machen sollte, der dafür in Frage kommt! Es gibt sicherlich auch den ein oder anderen eher negativen Punkt dabei. Allerdings habe ich noch keinen entdeckt- ich stehe ja auch erst am Anfang des Verfahrens- dennoch bin ich der Meinung, dass die für mich positiven Punkte bei weitem Überwiegen!

 

 
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